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Fed-Chef Powell sieht kein Überhitzungsrisiko

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Jerome Powell, der Vorsitzende des amerikanischen Federal Reserve System. (Bild: James Lawler Duggan / Reuters)

Der Vorsitzende des amerikanischen Federal Reserve System (Fed), Jerome Powell, hat am Freitag signalisiert, dass die US-Zentralbank an ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung am 25. und 26. September das Zielband für den Leitzins um weitere 25 Basispunkte auf 2 bis 2,25% erhöhen dürfte und dass diesem Schritt bis Ende Jahr noch eine weitere sanfte Zinserhöhung folgen könnte.

Powell erklärte am diesjährigen Jackson-Hole-Symposium, die US-Wirtschaft sei im Verlauf einer langen Erholung erheblich stärker geworden. Wer heute in Amerika einen Job wolle, finde einen, sagte er. Die Inflation habe etwas angezogen und befinde sich inzwischen nahe dem Zielwert von 2%. Angesichts zuversichtlicher Privathaushalte und Unternehmen, guter Werte bei der Schaffung von Arbeitsplätzen, steigender Einkommen und der Stimulierung der Wirtschaft durch höhere Staatsausgaben und Steuersenkungen sei zu erwarten, dass die positive Entwicklung anhalte.

Der geldpolitische Ausschuss des Fed (FOMC) hat über die Zeit die Leitzinsen von ihrem Krisenniveau nahe null inzwischen wieder auf normalere Werte erhöht. Auch die Wertschriften, die das Fed im Rahmen der Rezessionsbekämpfung angehäuft hat, werden schrittweise abgebaut. Per 22. August betrug der Wertschriftenbestand, der US-Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Papiere umfasst, noch 4,03 Bio. $; das entspricht immerhin einem Rückgang um fast eine Viertelbillion Dollar gegenüber den Höchstwerten.

Powell anerkannte bei seinem Auftritt, dass er und seine Kollegen zwischen dem Risiko, die Zinsen zu rasch zu erhöhen und damit die wirtschaftliche Expansion unnötig abzuwürgen, und dem Risiko, sich zu langsam zu bewegen und damit eine destabilisierende Überhitzung der US-Wirtschaft zu riskieren, navigierten. Den eingeschlagenen Pfad mit schrittweisen Zinserhöhungen sieht er als besten Ansatz, um beide dieser Risiken ernst zu nehmen.

Mit diesem Ansatz lässt sich auch der Herausforderung Rechnung tragen, die von unsicheren Schätzungen verschiedener Schlüsselvariablen wie der sogenannt neutralen Arbeitslosenquote und des neutralen Zinssatzes ausgeht. Das Fed verfolge eine ganze Reihe von Indikatoren, um zu beurteilen, wie viel «Durchhang» in der Volkswirtschaft bestehe oder wie akkommodierend seine Politik wirke, sagte Powell. Man sei sich auch bewusst, dass über die Zeit das Ausmass, in dem die Inflation auf Veränderungen bei der Beanspruchung von Ressourcen reagiere, abgenommen habe.

Zwar nähere sich die Inflation der 2%-Marke, aber es gebe keine Anzeichen einer Beschleunigung der Teuerungsentwicklung oder eines erhöhten Überhitzungsrisikos, sagte Powell. Das seien gute Nachrichten, die mindestens teilweise auf den laufenden geldpolitischen Normalisierungsprozess zurückzuführen seien. Falls das Einkommens- und Beschäftigungswachstum anhalte, sei deshalb mit weiteren sanften Erhöhungen des Zielbands für die Federal Funds Rate zu rechnen.

So ganz wolkenlos präsentierte Powell die Situation aber nicht. Er erinnerte an eine ganze Reihe struktureller Herausforderungen, mit denen die US-Wirtschaft konfrontiert ist, wie die gesunkene wirtschaftliche Mobilität, die nichtnachhaltige Haushaltspolitik sowie die schwache Produktivitätsentwicklung. Diese Herausforderungen rufen aber laut dem Fed-Chef nach Massnahmen, die ausserhalb des Zuständigkeitsbereichs der Zentralbank liegen.

Der zu Beginn des Jahres von Präsident Donald Trump eingesetzte Powell ging nicht auf die jüngsten Äusserungen der US-Regierung zur Politik des Fed ein. Man hätte erwarten können, dass er wenigstens in einem Nebensatz erwähnen würde, wie wichtig eine unabhängige Zentralbank für die Gewährleistung stabiler Preise und maximaler Beschäftigung sei. Seine robuste Verteidigung der schon unter der Vorgängerin Janet Yellen eingeschlagenen schrittweisen Normalisierung der Geldpolitik kann aber durchaus als ein solches Unabhängigkeitsbekenntnis interpretiert werden.

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