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Zu teure Taxis: «Wir dürfen in Zürich nichts unternehmen»

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Zürcher Taxameter zeigen zu viel an. Weil die Fahrer nach der Eichung kleinere Räder montiert haben?

In Zürich hat das Institut für Metrologie 39 Messsungen durchgeführt. Mit Ausnahme von zweien zeigten alle Taxameter eine zu lange Wegstrecke an. Bild: Sabina Bobst

Jürg Niederhauser, die Resultate der Studie Ihres Instituts zeigen: Die Mehrheit der geprüften Zürcher Taxifahrer überschreitet die gesetzlichen Vorgaben, die Taxameter berechnen einen zu langen Weg. Das ist in anderen Städten nicht so. Wie erklären Sie sich das?
Wir haben keine Erklärung für die Häufung in Zürich.

Sie halten im Bericht aber fest, dass es sich um eine Abweichung handeln könnte, die beim Einbau des Taxameters entstanden ist. Sie haben also doch eine Vermutung?
Wir sehen in den Messungen etwas, das wir als Offset interpretieren, also als Abweichung, die am Anfang der Messung schon da war.

Das heisst, es liegt am Gerät?
Nicht zwangsläufig. Es kann aus den verschiedensten Gründen zu einer Verschiebung kommen.

Die Häufung in Zürich muss Sie dennoch irritiert haben.
Ja. Deshalb haben wir sie im Bericht speziell ausgewiesen.

Sie gehen nicht von kollektiver Manipulation aus. Wieso?
Wir gehen nicht davon aus, dass sich die Taxifahrer durch eine Manipulation am Messgerät einen Vorteil verschafft haben. Das hätten wir gemerkt, als wir im Taxi mitgefahren sind. Ob hinter dem gehäuften Überschreiten der gesetzlichen Vorgaben Absicht steckt, kann man aufgrund der Messungen nicht sagen.

Aber der Taxifahrer ist doch für die Richtigkeit seiner Messgeräte verantwortlich.
Das ist so. Die Abweichung kann aber auch an einem systematischen Fehler der Geräte liegen. Aber wir haben nicht die Taxifahrer überprüft, sondern nur, wie die Taxameter messen. Die Organisation der Taxiwesens obliegt den Kantonen und Gemeinden. Wir sind nur für die Messungen der Geräte zuständig.

Insider behaupten, Zürcher Taxifahrer wechselten nach der Eichung auf kleiner Räder, wodurch die gemessene Wegstrecke länger wird.
Das wäre theoretisch machbar. Während der Messungen haben wir die Räderdimensionen aber angeschaut. Uns ist nicht offensichtlich aufgefallen, dass ein Zürcher Taxifahrer die falschen Räder montiert gehabt hätte. Aber eigentlich sind wir nicht für die Räder zuständig. Die Polizei prüft bei den Taxifahrern, dass die Räder der Taxis den Angaben in den Prüfberichten entsprechen.

In Bern wurde ein Taxifahrer wegen zu kleiner Reifen nicht in die Studie miteinbezogen.
Da war es so offensichtlich, dass es zu einer Fehlinterpretation der Messungen geführt hätte. Aber in Zürich ist uns nichts aufgefallen. Sonst hätten wir es im Bericht festgehalten.

Was unternehmen Sie nun in Zürich?
Der Bund darf nichts unternehmen. Für das Taxiwesen sind Stadt und Kanton zuständig. Wir haben darauf hingewiesen, dass es wichtig ist, dass die Selbstkontrollen der Taxameter wie vorgeschrieben gemacht werden. Dann kann rechtzeitig erfasst werden, wenn ein Messgerät die Fehlergrenzen nicht mehr einhält. Wir werden aufgrund der Resultate die Messungen sicher wiederholen. Dabei wird höchstwahrscheinlich Zürich wieder berücksichtigt werden. Wir empfehlen in drei bis fünf Jahren. (Tages-Anzeiger)

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